
Oldtimer Fly-in am Kassel Airport
Ein Himmel voller Nostalgie
Oldtimertreffen am Flughafen Calden lockte viele Besucher an
HNA Beitrag zum Oldtimer Fly In (27.07.2026) von Sascha Hoffmann
Calden – Als der Fieseler Storch am Samstagnachmittag den Motor anwarf, verstummten für einen Moment die Gespräche auf dem Gelände. Besucher schauten zum Himmel, zückten ihre Handys und verfolgten, wie der 1943 in Kassel gebaute Kurzstarter über den Kassel Airport zog. Genau für solche Momente waren zahlreiche Luftfahrtbegeisterte zum Oldtimer-Fly-in am Gerhard-Fieseler-Hangar gekommen.
Historische Flugzeuge aus verschiedenen Jahrzehnten, eine Bo105 der Bundeswehr und zahlreiche Privatmaschinen lockten bei sommerlichen Temperaturen viele Besucher nach Calden. Zwischen den Flugzeugen wurde fotografiert, gefachsimpelt und über Motoren, Baujahre und Restaurierungen gesprochen. Im Mittelpunkt stand jedoch der Fieseler Storch – nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Flugeigenschaften, sondern auch wegen der Menschen, die ihn bis heute flugfähig halten.
Einer von ihnen ist Erhard Rininsland. Der 87-Jährige gehört seit vielen Jahren zum Fieseler Storch Verein für Kassel und kennt die Geschichte der Maschine beinahe auswendig. Gebaut wurde der Storch 1943 in Kassel. Einen Kriegseinsatz flog er nie. Nach Stationen in Schweden, München und Fritzlar hing er später jahrelang unter der Decke des Kulturbahnhofs. Als das Flugzeug schließlich in eine Museum nach Berlin gebracht werden sollte, regte sich Widerstand, „Das konnte nicht sein – der misste in Kassel bleiben“, erinnerte sich Rininsland. Der Verein restaurierte die Maschine anschließend mit großem ehrenamtlichem Engagement und brachte sie zurück in die Luft.
Ganz ohne Wermutstropfen verlief der Flugtag für ihn allerdings nicht. Wegen verschärfter Sicherheitsauflagen musste das Veranstaltungsgelände kleiner ausfallen als sonst. „Früher konnten wir uns hier viel weiter ausdehnen“, sagte Rinninsland. Heute könnten Besucher viele Maschinen nur aus größerer Entfernung betrachten. Gerade beim Fieseler Storch bedauere er das.
Dass Hessische Luftfahrt keineswegs nur Nostalgie ist, zeigte sich wenige Meter weiter. Dort präsentierte Lufthansa-Pilot Ralf Aue seine Boing Stearman, ein amerikanisches Schulflugzeug aus dem Jahr 1942. Gemeinsam mit drei Mitstreitern hatte er die Maschine vor rund 15 Jahren in Florida gekauft, zerlegt, per Schiff nach Deutschland gebracht und wieder aufgebaut. Heute fliegt der Doppeldecker regelmäßig zu Oldtimer-Treffen. „Man sitzt mitten im Wind, hat den Sternmotor vor sich und diesen Sound – das macht einfach Spaß“, sagte Aue.
Wie sich dieser besondere Reiz anfühlt, brachte sein Passagier Herbert Nolte auf den Punkt. „Ein herrliches Gefühl“, sagte er. Dann suchte er nach Worten und fand schließlich die Erklärung, die viele auf dem Flugplatz wohl unterschrieben hätten: „Es ist einfach diese Freiheit, diese Unberührtheit von irgendwelchen Gegenständen und Mitmenschen, dass man einfach für sich alleine auf dieser Welt sein darf“.
Am Ende war das Oldtimer-Fly-in weit mehr als eine Ausstellung historischer Flugzeuge. Es war ein Treffen von Menschen, die ihre Leidenschaft teilen – und dafür sorgen, dass Luftfahrtgeschichte nicht hinter Museumsglas verschwindet, sondern mit dem unverwechselbaren Knattern alter Motoren immer wieder neu zum Leben erwacht.

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